Si Huang Ti Phoebe - * 28. Sep. 2004


Kennel: Si Huang Ti - Angéla Rábai (HU)

Vater

Mutter


 

Ch. Marko v.h. Venne-Dorp

Si Huang-Ti Velvet Kate


Immer Ärger mit dem Typ

Aus und vorbei ist’s mit meinem beschaulichen Hundeleben. Meine Familie hat es doch tatsächlich gewagt, sich einen zweiten Vierbeiner zuzulegen. Ich kenne ihn schon seit längerer Zeit. Es ist jener Zwerg namens Joël, der letzten Oktober vor einem Jahr bei uns Einzug gehalten hat. Bis jetzt verhielt er sich auch recht friedlich, ließ sich in seinem Kinderwagen spazieren fahren, beobachtete das Geschehen in sicherer Entfernung und Höhe von seinem Hochstuhl aus oder saß harmlos auf seiner Krabbeldecke und verbrachte seine Zeit damit, verschiedene Dinge in den Mund zu stecken.

Doch seit einigen Wochen ist dieser kleine Kerl mobil und – so wie ich – auf vier Pfoten – Entschuldigung, Beinen – unterwegs. Und es ist aus meiner Sicht höchste Zeit, die Regeln für eine friedliche Koexistenz neu zu verhandeln.

Waren meine Futterutensilien bis jetzt allein mein Reich und es den beiden großen Burschen bei Höchststrafe verboten, mich beim Fressen oder Trinken zu stören, spielen wir jetzt zweimal täglich „Wer ist schneller am Futternapf?“. Meistens gewinne zwar noch ich, doch dem Kleinen scheint mein Futter auch ganz gut zu schmecken. Jedenfalls spuckt er es nur widerwillig aus, wenn man danach verlangt. Während ich mein Schüsserl ausschließlich zum Trinken verwende, hat es Joël längst zweckentfremdet. Er badet seine kleinen Füße darin, probiert, welcher Schnuller besser schwimmt und ist hingerissen, wenn er den Fliesenboden in der Küche überflutet.

Auch beim Thema „Spielzenug“ sollten meiner Meinung die Grenzen neu festgelegt werden. Krallt sich Joël einen meiner Knochen und verkostet ihn, wird er ihm mit einem freundlichen „Aber nein, das gehört doch Phoebe“ höflich auf dieses Eigentumsdelikt hingewiesen. Aber wehe, ich stecke – wie er allerdings auch, einen Schnuller in den Mund oder beobachte fasziniert, wie ein Plüschtier im feuchten Gras im Nu sein Aussehen verändert! Vier Leute jagen mich durch Haus und Garten und versuchen, mir dieses oder jenes wieder zu entreißen.

Nur gut, dass mein Frauchen zweimal pro Woche das Haus zum Arbeiten verlässt und den Zwerg solange bei einer Tagesmutti parkt. Diese Stunden nütze ich für meinen wohlverdienten Schönheits- und Erholungsschlaf. Denn wenn sie zurück kommen, ist’s vorbei mit der Ruhe. Joël interessiert es herzlich wenig, ob ich gerade vor mich hindöse, ich werde stürmisch begrüßt, Augen, Ohren und Maul werden gründlich untersucht, ebenso die Konsistenz meines Felles durch „liebevolles“ Abtasten. Außerdem hält er mich augenscheinlich für taub, denn das Ganze geht in einer Lautstärke über die Bühne, die den stärksten Chow umwirft.

Doch bekanntlich gibt es keinen Nachteil, der einem nicht auch zum Vorteil gereichen könnte. Aus Erfahrung weiß ich mittlerweile, wenn ich mich beim Spazierengehen ganz dicht neben dem Kinderwagen halte, fallen Unmengen von Keksen, Biskottenstücken und Apfelscheiben für mich ab. Und ebenso habe ich einen neuen Lieblingsplatz für mich im Haus entdeckt – während der Mahlzeiten unter Joëls Hochstuhl. Noch nie war es so einfach, an Käsestücke, Reste von Wurstscheiben oder Schinkenfleckerl dranzukommen.

Das Tollste allerdings ist: Der kleine Kerl ist in der Lage, meine Futtertonne zu öffnen, und allein dadurch hat er sich einen festen Platz in meinem Chow-Herz gesichert.


Phoebe oder wie MAN(N) lernte einen Chow zu lieben

Es war an einem grauen Novembertag 2004, als ich im zarten Alter von acht Wochen bei meinem neuen zweibeinigen Rudel einzog. Während die Begeisterung bei meinem neuen Frauchen und den beiden Buben riesig war - hatten sie doch so lange auf einen Hund im Allgemeinen und auf einen Chow im Besonderen warten müssen - stand mir mein neues Herrchen - gelinde gesagt - reserviert gegenüber. Er hatte sich ausdrücklich ausbedungen, dass er keinerlei Aufwand mit mir haben wolle und sich auch sonst durch meine Anwesenheit nichts für ihn ändere.

Meine Taktik daher: ich benahm mich mustergültig, hielt Haus und Hof sauber, verrichtete mein Geschäft von Anfang an da, wo es vorgesehen war und bezauberte mit meinem Charakter und meinem putzigen Aussehen jeden, der mich kennen lernte. Da mein Herrchen zum Rauchen das Haus verlassen muss, entschied ich ihn dabei zu begleiten, sei es nur vor die Tür oder auch in den Garten. Mein Kalkül ging auf - er freute sich über meine Begleitung, plauderte mit mir, kraulte mich hinter den Ohren und jagte mit mir sogar um die Sträucher. Diese Nuss hatte ich also geknackt! Von nun an war ich ein vollwertiges Familienmitglied und würde noch eine Menge erleben.

Das Highlight des ersten Winters war selbstverständlich der gemeinsame Schiurlaub: jede Menge Schnee für mich und jede Menge Bewunderung vor allem durch unsere deutschen Nachbarn (“Guck ma’, ein Schau-Schau”), aber auch von durchaus attraktiven Schilehrern (“Jo mein, so a liaba Bär’nhund”). Nach einigen Tagen kannte und liebte mich ganz Bad Hofgastein. Die meisten staunten nicht schlecht, als sie mich heuer wieder trafen, welch elegante Chow-Dame aus dem putzigen Knäuel von vor einem Jahr geworden war.

Im März sollte ich in die Hundeschule gehen. Das Spielen mit Aaron, dem Leonberger, oder mit Yanni, der Magyar Viszla-Hündin, fand ich ja auch ganz lustig, nur warum ich irgendwelche Kommandos ausführen sollte, hinter denen ich keinen Sinn sah, wurde mir nicht klar. Nachdem ich mein Frauchen zur Verzweiflung gebracht und auch den Trainer eines Besseren belehrt hatte, brachen wir den Kurs erfolgreich ab.

Spielgefährten fand ich auch so in der Nachbarschaft. Am liebsten treffe ich mich mit Julie, einer ziemlich schüchternen Golden Retriever-Hündin oder mit Bruno, einem beeindruckenden Hovawart-Neufundländer-Rüden. Am lustigsten finde ich es allerdings, am Gartenzaun entlang zu stolzieren, während die beiden Langhaardackel in Nachbars Garten vor lauter Gekläffe beinahe eine Herzattacke erleiden, weil ich keine Miene verziehe.

Der Sommer fiel dann glücklicherweise nicht ganz so heiß aus, ich verbrachte die Tage vorzugsweise auf dem kalten Fliesenboden im Haus, weil in unserem Garten ein Pool gebaut wurde - sehr notwendig, ich mache sogar beim Spazierengehen um jede Pfütze einen großen Bogen! Als Entschädigung durfte ich dann, während mein Rudel in der Toskana war, zu Nico, einem Rottweiler-Berner Sennen Mix, auf Sommerfrische. War sehr beeindruckend, mal zu sehen, wie jemand auf Kommando gehorchte und sogar ohne Leine spazieren gehen konnte! Ich zog jedoch meine Unabhängigkeit vor und beobachtete das Geschehen mit der nötigen Distanz.

Im Oktober ließ mich dann mein Frauchen tatsächlich einige Tage allein, weil sich in unserer Familie nochmals Nachwuchs ankündigte. Ganz geheuer war mir das schreiende Bündel, mit dem sie nachhause kam, nicht, und ich strafte sie erst einmal mit Verachtung, legte mich demonstrativ in die andere Ecke des Raumes anstatt - wie bisher - zu ihren Füßen und folgte nun meinem Herrchen auf Schritt und Tritt. Als ich jedoch merkte, dass uns der kleine Bursche sogar auf meinen geliebten Spaziergängen begleitete, schloss ich ihn gnadenhalber auch in mein Herz und machte es mir zur Aufgabe, Kinderwagen und Wiege auch gegen jeden Babysitter zu verteidigen.

Nachdem ich nun also meinen Platz in der Familie und im Herzen meiner Besitzer erobert habe, probiere ich zur Zeit ein bißchen meine - und ihre - Grenzen aus. Der Gartenzaun oder die am Tisch liegengelassene Brille mussten ebenso dran glauben wie das Handy meines Frauchens. Doch mittlerweile bin ich unverwundbar und nicht einmal meinem Herrchen, der anfänglich allem Vierbeinigen ablehnend gegenüber stand, kommt ein böses Wort über die Lippen. Erfolg auf der ganzen Linie!

Si-Huang-Ti Phoebe